Mit dem Agrotech Valley Forum e.V. (AVF) hat sich im Nordwesten Deutschlands ein europaweit einmaliger Zusammenschluss von Agrartechnikunternehmen, Forschungseinrichtungen und dem Landkreis Osnabrück gebildet. Das junge Netzwerk sorgt derzeit als Teil eines Forschungskonsortiums für Aufsehen, dessen Vertreter sich der digitalen Transformation im landwirtschaftlichen Pflanzenbau verschrieben haben. Für den Aufbau eines entsprechenden Experimentierfeldes konnten die Projektpartner am vergangenen Donnerstag, aus den Händen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Zuwendungsbescheide in einer Gesamthöhe von 6,2 Millionen Euro. Vertreter und Unterstützer des Agrartechniknetzwerkes nahmen dies am Montag zum Anlass, um im Osnabrücker Kreishaus im Rahmen eines Pressegespräches, die Hintergründe ihrer Initiative zu erläutern.
Durch den Einsatz neuster Technologien aus den Bereichen Sensortechnik, Robotik, Maschinenbau, Künstliche Intelligenz oder Optoelektronik steckt in Landmaschinen schon heute so viel digitale Technik wie nirgendwo sonst. Auch wenn die Landtechnikhersteller der Region in diesem Bereich sehr gut aufgestellt sind, sind sie gemeinsam dennoch von der Notwendigkeit einer herstellerübergreifenden Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft überzeugt. „Der Erfolg unserer Unternehmen hängt stark vom technischen Fortschritt – der Digitalisierung auf dem Acker – ab. Wenn es jetzt darum geht, smarte Geräte zu entwickeln und miteinander zu vernetzen, kommen Themen wie Datenverarbeitung, Datenmanagement und die Kommunikation der Maschinen untereinander verstärkt auf die Tagesordnung“, weiß Dr. Josef Horstmann zu berichten. Der für Konstruktion und Entwicklung verantwortliche Geschäftsführer der Maschinenfabrik Bernard Krone ist Vorsitzender des AVF. „Die Komplexität und die Menge der Themen macht es für mittelständische Unternehmen nahezu unmöglich, die anstehenden Herausforderungen alleine zu bewältigen. Wenn uns jedoch der Schulterschluss gelingt, kann unser Wirtschaftsraum in der Digitalisierung der Landwirtschaft Maßstäbe setzen“, so Horstmann.
Der Gründung des Vereins war ein zweieinhalbjähriger Prozess vorausgegangen. Auf Initiative der Unternehmen Amazone, Claas E-Systems, DKE, Grimme, Kotte, Krone und Strautmann, der Hochschule und der Universität Osnabrück, dem DFKI, von Landrat Dr. Michael Lübbersmann und der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück (WIGOS) wurde seit Anfang 2017 der Aufbau eines Agrartechniknetzwerkes vorangetrieben. Aufbauend auf diesen Aktivitäten konnten die genannten Akteure im Juli dieses Jahres dann den AVF gründen.
Ermöglicht wurde dies durch Förderung aus dem Förderfonds der Metropolregion Nordwest. Mit der Förderung von Clusterinitiativen wie dem AVF, zielt die Metropolregion Nordwest auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität. So zeigte sich die Geschäftsführerin der Metropolregion Nordwest, Dr. Anna Meincke erfreut über die positive Entwicklung des Agrartechniknetzwerkes. „Es geht darum, durch die Kooperation der vielen Kompetenzträger aus Wirtschaft und Wissenschaft vorhandene Potential zu heben. So wie das Silicon Valley für die IT-Branche, kann unser Wirtschaftsraum für die Landwirtschaft zum global bedeutendsten Inkubator für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion auf Basis digitaler Technologien werden“, so Meincke.
Da die vielen im Nordwesten ansässigen Unternehmen der Landtechnik über eine enge Anbindung an den attraktiven Forschungs- und Wissenschaftsstandort Osnabrück verfügen, ist der Vergleich mit dem Silicon
Valley keinesfalls aus der Luft gegriffen. Und auch in Wissenschaft und Forschung haben sich viele Akteure der digitalen Transformation der Land- und
Ernährungswirtschaft verschrieben. Das der AVF auch dem hiesigen Wissenschaftsstandort Rückenwind gibt, wird im Statement von Prof. Dr. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück deutlich. „Durch den AVF
haben wir die Möglichkeit, hier in der Region die Aspekte der Digitalisierung der Landwirtschaft gemeinsam im engen Dialog mit Landwirten, Lohnunternehmen und Herstellern anwendungsorientiert zu beleuchten“,
erläutert Ruckelshausen. „Die neuen Technologien betrachten wir als wichtige Werkzeuge zur Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Landwirtschaft,
sowohl aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht“, so Ruckelshausen, der als einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der Feldrobotik gilt, weiter.
Ein weiteres Ziel des AVF ist es, die Außenwahrnehmung der Region und der hiesigen Aktivitäten zur Digitalisierung in der Landwirtschaft in Richtung
Politik, Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu verbessern. Daher freut sich Dr. Henning Müller, 2. Vorsitzender des AVF, darüber, dass das junge Netzwerk im November auch gleich mit einem eigenen Stand auf der
Agritechnica (Halle 21/F32), der Weltleitmesse für Landtechnik, vertreten sein wird. „Die Innovationskraft der Branche und der überdurchschnittliche Anteil unserer Region daran, werden durch einen Rundgang über die Agritechnica erfahrbar“, erklärt Müller. Für Müller sind die Aktivitäten des AVF auch von internationaler Bedeutung. „Innerhalb eines Radius von 120 km finden sich in unserem Wirtschaftsraum Akteure der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Landtechnik bis hin zur Ernährungswirtschaft. Diese Ballung ist einmalig in Europa“, so Müller.
Auch Landrat Michael Lübbersmann betont die Bedeutung der Agrartechnikindustrie und den Stellenwert einer Zusammenarbeit über traditionelle Grenzen hinweg. „Wir wollen, dass die rasanten technologischen Entwicklungen in der Landwirtschaft hier vor Ort stattfinden. Mit dem AVF schaffen wir Raum für einen stetigen Dialog zwischen Industrie und
Forschung. So kann unsere Region zum Taktgeber der digitalenTransformation der Landwirtschaft werden“, unterstreicht Lübbersmann die Chancen, die das Agrotech Valley bietet.
Quelle: Pressemitteilung des Agrotech Valley Forum e.V.
