Das Projekt hatte die Möglichkeit sich im Rahmen der vom Oldenburger Energieclusters OLEC durchgeführten Fachveranstaltung „Batterie und Brennstoffzelle in der Mobilität: Synergien oder Konkurrenz?!" am 29. August 2018 in Oldenburg zu präsentieren. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich mit der Frage, wie die Antriebstechnologien sich zukünftig weiterentwickeln – als Konkurrenten oder Komplemente in der Mobilitätbranche.
In seinem Impulsvortrag betonte Dr. Magnus Buhlert vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz die Notwendigkeit, langfristig auf treibhausgasneutrale Technologien und Verkehrskonzepte umzusteigen. So habe praktisch im Verkehrssektor bisher so gut wie keine Reduktion gegenüber dem Niveau von 1990 stattgefunden. Die zentrale These des Leiters des Referats „Mobilität der Zukunft, Elektromobilität, alternative Antriebe, klimagerechte Kraftstoffe“ war, dass anhand einer Mischung aus unterschiedlichen Verkehrsformen und Technologien, die nachhaltige Energieträger nutzen, wir die Wende schaffen können und zu einer deutlichen CO2 Reduzierung beitragen können. Förderungen von Best-Practice-Projekten zur Reduzierung der Treibhausgas- und Schadstoffemissionen, wie beispielsweise durch den Einsatz von E-LWK in der lokalen Logistik des Lebensmittelsektors oder die Nutzung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben in Form von Ride-Sharing und Car-Sharing, können hier unterstützend wirken.
Im Anschluss folgten Vorträge der Referenten Nikolas Iwan von H2 MOBILITY Deutschland, Dr. Alexander Dyck vom DLR Institut für Vernetzte Energiesysteme sowie Dr.-Ing. Martin Robinius vom Forschungszentrum Jülich zur Infrastruktur bzw. Wasserstofftankstellen und elektrische Lademöglichkeiten. Ziel ist es bis 2019 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland zu aufzustellen und damit das Rückgrat für die Tankinfrastruktur zu errichten. Ab 2020 ist geplant, dass H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG Tankstellen pro 50 bis 100 Wasserstoff-PKW baut, um den weiteren Ausbau entsprechend der Nachfrage anzupassen. In der Metropolregion Nordwest sind aktuell drei Wasserstofftankstellen in Betrieb und die Eröffnung einer vierten Wasserstofftankstelle in Oldenburg ist für 2019 geplant.
Das Forschungszentrums Jülich hat in seiner Infrastrukturanalyse festgestellt, dass Batterieladeinfrastruktur und Wasserstofftankstellen sich gegenseitig ergänzen. So kann durch die Kombination der beiden Technologien die Energieeffizienz sowie die Nutzung von überschüssigem Strom optimiert und CO2-Emissionen deutlich minimiert werden als eine homogene Infrastruktur.
Katharina Schütte von der IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) stellte in ihrer Analyse heraus, dass die Brennstoffzelle als Fahrzeugantriebstechnik Vorteile gegenüber der Batterietechnik biete. Zu nennen sind hier der kurze Tankvorgang, ausreichende Reichweite und Leistung auch bei schweren Fahrzeugen sowie eine Wertschöpfung, die vorwiegend in Europa erreicht werden kann. Momentan leidet die Wasserstoffmobilität unter anderem unter mangelnder Infrastruktur, hohen Kraftstoffpreisen und dem fehlenden Angebot von Fahrzeugen. Um die Wasserstoffmobilität voranzubringen, fordert Frau Schütte die Schaffung von politischen Rahmenbedingungen, um den Markteintritt der Technologie zu ermöglichen sowie mehr Öffentlichkeitsarbeit zur realistischen Darstellung von Mobilitätsszenarien.
Auszüge aus der Praxis stellten drei Referenten nachmittags vor. Klaus Stolzenburg von der PLANET GbR berichtete von einem Pilotprojekt der hySOLUTIONS GmbH mit der Hamburger Hochbahn AG. Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anzuschaffen, so dass auf der sogenannten „Innovationslinie 109“ einer 10 km langen Teststrecke Elektrobusse im Realbetrieb getestet werden. Alle eingesetzten Elektrobusse wurden sowohl von den Fahrern als auch von den Fahrgästen positiv bewertet. Zur Abdeckung aller Buseinsätze stehen drei strategische Optionen zur Wahl: die Umstellung betrieblicher Prozesse, eine Zwischenladung auf der Strecke und der Einsatz von Brennstoffzellen als Range-Extender. Eine abschließende Beurteilung der Optionen erfolgt nach Abschluss der Testphase 2020. Bis dahin werden die weltweiten Entwicklungen beobachten und fließen in die Planungen ein.
Ferry Franz von Toyota Motor Europe stellte die Entwicklung von Wasserstoffautos als Bestandteil der „Toyota Environmental Challenge 2050“ Strategie vor. Seit dem ersten Brennstoffzellen-PKW von Toyota im Jahr 1996 entwickeln die Ingenieure kontinuierlich das CO2-emissionsfreie Auto weiter. Zum Beispiel hat das Mirai-Modell eine Reichweite von 550 km, null Emissionen außer Wasser und einen Tankvorgang von drei bis fünf Minuten.
Wie es dazu kam, dass die Deutsche Post AG den elektrischen StreetScooter entwickelte, erzählte Arne Friedrich von der Deutsche Post AG. Obwohl sie in Vergangenheit erfolgreich mit einem großen deutschen Automobilhersteller zusammenarbeitete, waren die Versuche ein E-Fahrzeug für den Zustellbetrieb entwickeln zu lassen, fehlgeschlagen. Daraufhin beschloss die Post, selbst ein E-Fahrzeug zu schaffen und kaufte das Start-up aus einem Forschungsprojekt der RWTH Aachen. So gelang es Streetscooter als Tochterunternehmen der Deutschen Post AG bis Ende 2016 fast 2.000 E-Fahrzeuge herzustellen. Aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit und wartungsarmen Bauweise ist das entstandene vollelektrische Fahrzeug nicht nur in der Flotte der Post im Einsatz, sondern auch in verschiedenen Größen und Ausstattungen als Nutzfahrzeug für andere Betriebe und Einrichtungen verfügbar.
In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Referentinnen und Referenten des Tages einig, dass beide Technologien sich ergänzen werden und zukünftig das Straßenbild prägen werden. Entscheidend sei der Ausbau der Tank- und Ladeinfrastruktur sowie die steigende Verfügbarkeit bezahlbare Fahrzeuge. Allerdings ist die Etablierung der Batterie- und Brennstoffzellen-Elektromobilität auf dem deutschen Markt kein Selbstläufer.